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Gendern und Gesellschaft

Gender-Lust und Herdentrieb

Veröffentlicht am 25. 10. 2023, aktualisiert am 24. 11. 2025.

Eine Pflicht zum Gendern besteht von Rechts wegen nur für Bundesbehörden. Würde sich das Gendern nur auf diesen Verwaltungsbereich beschränken, wäre dies zu verschmerzen. Doch dem ist nicht so. Auch andere Institutionen gendern unübersehbar, obwohl dazu keinerlei rechtliche Verpflichtung besteht: Öffentliche Verwaltungen oder Kirchen tun es aus freien Stücken, Hochschulen schreiben es ihren Studenten und anderen Angestellten sogar faktisch vor. Auch die Privatwirtschaft ist auf den Zug aufgesprungen. Immer mehr machen mit, obwohl sie damit nur den Willen der Minderheit bedienen. Müssen tun sie es nicht, nein, sie wollen beim Gendern dabei sein.

Gender-Fahrradständer

Doch warum ist das so? Warum lässt z. B. eine Bäckerei auf einen Fahrradständer „Radler:innen welcome!“ aufdrucken? Umfragen haben doch durchgängig gezeigt, dass die Bevölkerung mehrheitlich gegen das Gendern ist. Zeigt das Verhalten der Bäckerei vielleicht ein typisch deutsches Phänomen? Ist es vielleicht ein innerer Hang von uns Deutschen zur Obrigkeitshörigkeit oder gar Unterordnung? Liebt der „Deutsche Michel“ die Folgsamkeit? Wir halten uns offenbar gerne freiwillig an Gesetze, selbst dann, wenn es diese Gesetze gar nicht gibt. Wir bleiben auch gerne an einer Fußgängerampel bei Rot stehen, auch wenn es nachts um drei ist und kein Auto weit und breit zu sehen ist. Und wir bestehen selbstverständlich auch auf unserem Vorfahrtsrecht im Straßenverkehr und zeigen denen, die uns das streitig machen wollen, gerne schon mal laut hupend den Vogel. Wir glauben, mündige Bürger zu sein, wollen aber doch am liebsten im täglichen Leben an die Hand genommen werden und zeigen auch anderen, wo es lang zu gehen hat.

Auch gegenseitiges Belehren scheint zu unseren nationalen Charakterzügen zu gehören, schlimmer noch, wir zeigen unsere Mitmenschen auch schon mal an, wenn sie sich nicht an die Regeln halten. In Freiburg beispielweise gibt es eine Person, angestellt bei der Stadt, die sich privat und in ihrer Freizeit zum Ziel gesetzt hat, Falschparker anzuzeigen: Zu geringer Abstand zur Kreuzung, Parken auf dem Feuerwehrstreifen, Parken mit einem Rad auf dem Gehweg – der Blockwart zückt sein Handy, das Beweisfoto ist schnell gemacht und die Anzeige nimmt ihren Lauf. Alles im Sinne der Verkehrssicherheit selbstverständlich. Ich mag mich irren, kann mir aber nur schwer vorstellen, dass sich Franzosen oder Italiener für so etwas hergeben würden. Schweizer vielleicht schon, aber die sind auch beim Gendern sehr geflissentlich.

Trotzdem bleibt die Frage: Warum machen so viele mit? Ist es Gewöhnung, Desinteresse, Bequemlichkeit, taktisches Kalkül oder doch Überzeugung, verbunden mit einem wohligen Überlegenheitsgefühl? Vielleicht haben wir das aber auch nur unserem Herdentrieb zu verdanken und damit der Evolution?

Den Gewöhnungseffekt sollte man nicht unterschätzen. Erst kürzlich habe ich mich selbst dabei ertappt, wie mir unbeabsichtigt eine Paarnennung („Schülerinnen und Schüler“) herausgerutscht ist. Ich habe mich sofort korrigiert, aber war doch über mich selbst erschrocken. Mitmenschen, die sich weniger gegen das Gendern auflehnen als ich, dürfte dies noch häufiger passieren, sie nehmen es möglicherweise selbst gar nicht mehr wahr. Damit verstärkt sich nicht nur der eigene Gewöhnungseffekt, sondern auch der auf andere – und so weiter.

Das geht so weit, dass man sich selbst (d. h., sein eigenes Geschlecht) gendert: „Ich bin Studierender“ habe ich kürzlich von einem Studenten gehört. Manipuliert zu werden, ist schlimm, es nicht zu merken, ist schlimmer.

Das führt dann dazu, dass man alles gendert, was mit „die“ anfängt und mit „er“ aufhört. Der Artikel „die“ und die Endsilbe „er“ sind offenbar überaus starke Gendersignale, die analog zum konditionierten Reiz des Pawlowschen Hundes beim genderübersensiblen Menschen das Genderprogramm aufrufen. Da kann es vorkommen, dass nicht nur generische Maskulina gegendert werden, sondern auch Wörter, die nur ein feminines Genus tragen, z. B. die Stadt als Auftraggeberin (die Stadt hat ein feminines Genus, aber keinen weiblichen Sexus, kann daher nicht durch das Suffix „in“ sexusmarkiert werden). Selbst das Plural-„die“ führt manche auf die falsche Gender-Spur, z. B. „Mitglieder und Mitgliederinnen“. Ich nenne das zusammenfassend Phantom-Gendern mit den Spielarten Genus-Gendern und Plural-Gendern.

Auch Desinteresse oder Bequemlichkeit können die Gendersprache fördern. Wer dem Gewöhnungseffekt aus Desinteresse nichts entgegensetzt, trägt zur weiteren Etablierung der Gendersprache bei. Dabei steht außer Frage, dass es in Kriegszeiten (Ukraine, Gaza, Sudan etc., demnächt Taiwan?) Wichtigeres als die Gendersprache gibt, aber es spricht auch nichts dagegen, gesellschaftliche Entwicklungen nachrangiger Wichtigkeit ernst zu nehmen. Der AfD beispielsweise treibt das Gendern nur weitere Wähler zu und es ist überhaupt nicht auszuschließen, dass nach einer künftigen Bundestagswahl diese Partei Teil einer Regierungskoalition ist, mit fatalen Konsequenzen für eine deutsche Unterstützung der Ukraine.

Wer sich über gegenderte Post ärgert, aber aus Bequemlichkeit darauf nicht reagiert, indem er den Absender bittet, auf gegenderte Ausdrucksweise bitte zu verzichten, wird weiter gegenderte Post bekommen und sich weiter darüber ärgern. Entsprechendes gilt für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Eine einzelne, aus Bequemlichkeit nicht geschriebene E-Mail an Senderverantwortliche, in denen das Missfallen am Gendern ausgedrückt wird, wird natürlich nichts bewirken, eine, oder besser viele geschriebene Mails hingegen schon.

Vor einiger Zeit gab es viele Initiativen (in Hamburg, Baden-Württemberg und Hessen), die zum Ziel hatten, die Gendersprache in öffentlichen Verwaltungen, Schulen und Hochschulen gesetzlich einzuschränken. Wer daran kein Interesse hat oder aus Bequemlichkeit die demokratische Möglichkeit seiner Stimmabgabe nicht nutzte, wird sich nicht über Entwicklungen beklagen dürfen, die er zu verhindern hätte mithelfen können.

Vielleicht ist ein Gender-Antrieb auch ein „Sich-gut-verkaufen-wollen“, geleitet von dem Wunsch, ein positives Image in der Öffentlichkeit zu besitzen. Damit wäre es nichts weiter als eine wohlkalkulierte, strategische Maßnahme. Diese hätte zweifelsohne die beabsichtigte Außenwirkung und schlösse auch das Risiko aus, als vermeintlicher Verweigerer von Frauenrechten gebrandmarkt zu werden. „In den Behörden und Unternehmen herrscht ein Klima der Angst, vermeintlich genderunsensibel zu sein“ ist auf Seite 24 der VdS-„Sprachnachrichten“-Ausgabe 101 (I/2024) dazu zu lesen. Folglich hechelt man lieber als Opportunist dem Zeitgeist hinterher und befindet sich so, wenn schon nicht in guter, doch immerhin in großer Gesellschaft.

Natürlich gibt es auch die Überzeugungstäter. Wer den Darstellungen der Vertreter der Genderlinguistik glaubt, dass Genderstudien beweisen würden, dass uns das generische Maskulinum hauptsächlich an Männer denken lässt, hat die Studien entweder selbst nie gelesen oder möchte sein eigenes Weltbild nicht einstürzen sehen. Vor allem stellt er gefühlte Wahrheiten über wissenschaftliche Ergebnisse, die eigene, angeblich bessere Moral über nachprüfbare Fakten und das wohlige Gefühl des eigenen Gutmenschendaseins über die analytische Kraft des Intellekts. Soll er es tun, meine Missbilligung sei mit ihm. Intelligenten Menschen sollte sich das Gendern von selbst verbieten.

Vermutlich ist der stärkste Antrieb jedoch der Herdentrieb. Wo zieht es Sie beispielweise hin, wenn Sie sich zwischen zwei Marktständen entscheiden müssen, die zwar das gleiche Produkt anbieten, bei dem aber der eine Stand von einer Menschentraube umgeben ist, der andere hingegen kein Publikum hat?

Oder wenn an einer Fußgängerampel alle loslaufen, obwohl die Ampel auf Rot steht, laufen Sie dann auch los (erst recht, wenn kein Auto sich nähert) oder bleiben Sie stehen?

In unserer Entwicklungsgeschichte war es sicher besser, bei der Gruppe zu bleiben statt als Einzelner aus der Reihe zu tanzen, besonders bei drohender Gefahr z. B. durch Raubtiere.

Dieser Herdentrieb wirkt sich auch auf unser Genderverhalten aus. Wenn man gegenderte Formen am Arbeitsplatz, in den Medien oder im Freundeskreis tagtäglich hört oder liest, möchte man da nicht lieber als fortschrittlich Denkender mitmachen oder stattdessen abgestempelt als Ewiggestriger in der Büßerecke stehen? Dort ist man nämlich angreifbar und muss sich der vermeintlich großen Gruppe der „Guten“ und „Rechtschaffenen“ gegenüber erklären. Das macht nicht wirklich Spaß.

Viel wohltuender ist es, im Strom der Gutmenschen mitzuschwimmen, sich täglich seines moralisch besseren Handelns zu versichern und abfällig auf die Nicht-Genderer herabzuschauen, auch wenn diese die Mehrheit repräsentieren. Aber genau dieser Umstand, sich zu einer elitären Minderheit zählen zu dürfen, verstärkt eher noch das Gefühl göttlicher Auserwähltheit und erklärt den missionarischen Eifer, mit dem die störrischen Gender-Verweigerer „bekehrt“ werden müssen, notfalls auch gegen deren Willen, siehe Gender-Leitfäden.

Dabei vertritt der „Außenseiter“ nicht einmal eine Mindermeinung, wie alle Umfragen dazu bestätigen. Es ist nur eine „gefühlte“ Mindermeinung, denn die Minderheit der Gendersprachenbefürworter ist wahrnehmbarer, lauter und medial präsenter als die Mehrheit, die das Gendern ablehnt. Und da die Genderer es geschafft haben, ihre Sicht als die „bessere Moral“ darzustellen, trauen viele sich nicht, dem zu widersprechen, dem Zeitgeist sei Dank. Das widerspricht nur scheinbar dem Herdentrieb, es überlagert ihn lediglich.

So wird das Gendern vermutlich weitergehen. Die Mehrheit ist zwar entweder desinteressiert oder dagegen, doch sie begehrt nicht auf. Die Minderheit sitzt am längeren Reichweiten-Hebel des öffentlich rechtlichen Rundfunks oder spielt in öffentlichen Einrichtungen ihre Weisungsbefugnis subtil oder offen und direkt aus. Leitfäden dienen als Vorgaben, die verharmlosend als Empfehlung verkauft werden, zudem sind sie manipulativ wie Werbetexte formuliert. Das generische Maskulinum, das alle einschließt, wird aus den Schulen verbannt, dafür gibt es die Doppelnennung, die manche ausschließt. Das Ganze wird dann als „gendergerecht“ angepriesen.

Mein Respekt gilt denjenigen, die da nicht mitmachen. Die aufstehen und sprechen statt sitzen zu bleiben und zu schweigen. Der größte gesellschaftspolitische Unfug der letzten Jahrzehnte muss endlich aufhören.

Wegen der politischen Aktivitäten des „X“-Besitzers Elon Musk für die AfD wird die „Teilen“-Option für dieses Medium nicht mehr angeboten.

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