Ist die FDP noch zu retten?
Veröffentlicht am 28. 3. 2026.
Die FDP hat nicht erst seit den beiden letzten Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ein existenzielles Problem: Sie ist nicht mehr in den Landtagen vertreten und hat auch nur geringe Chancen, die Fünf-Prozent-Hürde in den kommenden Landtagswahlen dieses Jahres zu nehmen. Selbst in ihrem Stammland Baden-Württemberg hat der Wähler der FDP den Stecker gezogen.
Deshalb hat Christian Dürr, ihr Bundesvorsitzender, auch seinen Rücktritt angekündigt, und in der Bundes-FDP werfen die ersten Bewerber bereits ihren Hut in den Ring. Der Austausch von Personen kann in einer solchen brenzligen Situation manchmal helfen, es muss aber auf jeden Fall auch von einer programmatischen, also inhaltlichen Neuausrichtung der Partei begleitet werden.
Das Kernproblem der FDP ist ja, dass potentielle Wähler nicht mehr wissen, wofür die liberale Partei eigentlich steht. Für Liberalismus natürlich, aber was heißt das konkret? Der Begriff ist für viele Wähler vielsagend und nichtssagend zugleich. Intellektuell greifbarer wäre etwas „Handfestes“, etwas, mit dem „der Wähler etwas anfangen kann“. Ich hätte da einen Vorschlag:
Wie wäre es mit einer Absage vom Sprachgendern? Mittlerweile behaupten ja fast alle Parteien, Linke und Grüne ausgenommen, sie würden nicht gendern. Tatsächlich ist es nur eine Partei, die es tatsächlich nicht tut, die AfD.
Einspruch, auch wir gendern nicht, höre ich schon Vertreter der Union, der SPD und auch der FDP sagen. Nicht nur die CSU-geführte Landesregierung Bayerns, sondern auch die der CDU-geführten Länder von Hessen oder Sachsen haben sogar für ihre Verwaltungen ein sog. Genderverbot beschlossen. Also gendern sie nicht, oder doch?
Gendern ist mehr als das Sprechen in genderneutralen Partizipialformen („Studierende“) oder der Gebrauch des Gendersternchen oder des Glottisschlags („Bürger*/_:Innen“). Nein, Gendern ist die Vermeidung des generischen Maskulinums. Dieses sei diskriminierend, da es nur „Männer meine“, sagen Befürworter des Genderns. Das Gegenteil ist der Fall: Das generische Maskulinum „meint“ überhaupt kein biologisches Geschlecht, deshalb integriert es auch alle. Im Gegensatz zur Paar- oder Doppelnennung, die, man kann es drehen und wenden, wie man will, auf jeden Fall diejenigen diskriminiert, die sich weder zum biologisch weiblichen noch männlichen Geschlecht zählen. Genau aus diesem Grund heißt es in der Tageschau auch nicht mehr: „Guten Abend, meine Damen und Herren, ich begrüße Sie zur Tagesschau“.
Daher ist die Doppelnennung nicht nur diskriminierend, zudem trivial und daher hochgradig albern, sondern auch Teil des Genderns. Nur ist sie sehr gut getarnt, da sie formalen Grammatikregeln nicht zuwider läuft und daher von vielen auch nicht als Gendern angesehen wird.
Zurück zur FDP. Sich dafür einzusetzen, sämtliche Genderformen nicht mehr zu verwenden, inklusive der Doppelnennung, das hätte Signalwirkung, warum auch sollten ausgerechnet Liberale sich selbst ein sprachliches Genderkorsett verordnen. Besonders die Schulen davon frei zu halten und Schüler nicht mehr als „Schülerinnen und Schüler“ oder Lehrer unpersönlich als „Lehrkräfte“ anzusprechen, wäre ein Alleinstellungsmerkmal unter den Parteien links von der „Brandmauer“. Und für viele Gegner der Gendersprache böte sich damit eine Alternative zur Alternative für Deutschland. Vielleicht, nein, vermutlich hätte dies bei der nächten Wahl sogar eine Wählerwanderung zur Folge, nicht nur von der AfD, sondern auch von anderen Parteien hin zur FDP. Das wäre doch mal etwas Erfreuliches, nicht nur für die FDP, sondern auch für die Demokratie, und für Politikwissenschaftler und Parteienforscher sowieso.
Das allein kann selbstverständlich nicht alles sein, für das die FDP stehen könnte und sollte, aber es wäre ein äußerst sichtbares Merkmal. Wirtschaft, Energie, Klima, Gesundheit, Bildung oder Verteidigung – andere müssen dazukommen. Mit welchen Inhalten, werden parteiinterne Beratungen ergeben.
Ich persönlich jedenfalls würde mich jetzt schon darauf freuen, das erste Mal in meinem Leben die FDP zu wählen.
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